Interview mit einem Frauenhelden

Endlich ist es mir gelungen, Ricardo di Cataldi, den begehrtesten Junggesellen der Stadt für ein Interview zu gewinnen.

Seine Sekretärin wies mich darauf hin, dass seine Zeit knapp sei, was wohl bedeuten sollte, ich möge gefälligst pünktlich sein. Ich hielt mich daran. Fünf Minuten vor der vereinbarten Zeit stand ich am schmiedeeisernen Tor und klingelte. Der Weg zum Haus führte mich über einen Fußweg, dessen Marmorplatten in der Sonne leuchteten.

Die Eingangstür öffnete sich. Ein älterer Herr in dunklem Anzug und makellos weißem Hemd erschien und musterte mich.

“Buon giorno, signorina.” Seine Stimme war fest. “Anna wird Sie in den Garten begleiten.”

Ich war enttäuscht. Das Innere des Hauses sollte mir verborgen bleiben? Ich sah den Butler an und überlegte. Doch ich spürte die Autorität, die von ihm ausging und wusste: einen wie ihn würde ich nicht überreden können. Zu gar nichts.

Ich folgte dem Dienstmädchen um das Haus herum und in den weitläufigen Park der Villa. Im Schatten eines Kastanienbaumes bot sie mir einen von zwei Korbstühlen an, schenkte mir ein Glas Wasser ein und verschwand.

Park der Villa Cataldi in Rom

Als hätte er nur auf ein geheimes Stichwort gewartet, trat kurz darauf mein Gastgeber auf die Terrasse heraus und kam über den englischen Rasen auf mich zu.

Nach gefühlt Hunderten von Fotos, die ich von Ricardo di Cataldi gesehen hatte, wähnte ich mich immun gegen seinen Herzensbrecher – Charme. Doch ich hatte mich geirrt. Mein Herz hämmerte, als ich aufstand und ihm entgegensah.

Mit einem wissenden Lächeln schüttelte er mir die Hand.

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S.K.: “Buon giorno, Signor di Cataldi. Ich freue mich außerordentlich, dass Sie Zeit fanden, mich heute zu empfangen und meine Fragen zu beantworten.”
Er neigte lächelnd seinen Kopf. Wir nahmen Platz und ich legte los.
S.K.: “Sie sind einer der erfolgreichsten Immobilienmakler Roms. Was ist ihr Geheimnis?”
RdC: “Es gibt kein Geheimnis. Ich führe lediglich weiter, was mein Vater begonnen hat.”
S.K.: “So bescheiden? Wie man hört, haben sich die Gewinne beträchtlich erhöht, seit Sie die Leitung übernommen haben. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?”
RdC: “Gute Arbeit zahlt sich aus.”
S.K.: “Das kann doch nicht alles sein! Der Erfolg liegt doch sicher auch in Ihrer Persönlichkeit begründet. Was zeichnet Sie besonders aus?”
Er dachte nur einen kleinen Moment lang nach.
RdC: “Ich bin kontaktfreudig. Ich höre zu und ergreife eine Chance, wenn sie sich bietet.”
S.K.: “Kann man sagen, dass Sie spontan sind?”
RdC: “Eindeutig ja.”
S.K.: “Wie sieht ein normaler Tag für Sie aus? Gibt es bestimmte Rituale, die Sie nicht missen wollen?”
RdC: “Ein normaler Tag?” Er lachte. “So etwas gibt es bei mir nicht. Jeder Tag ist anders. Jeder Tag hat seine Herausforderungen. Aber ein Ritual, ja, das gibt es. Jeden Morgen bringt Sofia, meine Sekretärin, mir als erstes einen Milchkaffee. Während ich den Kaffee genieße, gehen wir meine Termine für diesen Tag durch. Das ist der einzige ruhige Moment des Tages und in dieser Zeit darf uns niemand stören! Absolut niemand.”
S.K.: “Sind Sie eher Frühaufsteher oder Nachtmensch?”
RdC: “Beides. Es komm darauf an, welches davon gerade erforderlich ist.”
S.K.: “Sie scheinen sehr diszipliniert zu sein. Schlagen Sie denn niemals über die Stränge?”
RdC: “Selbstverständlich nicht.”
Seine Antwort kam ohne das geringste Zögern, aber mit einer gewissen Arroganz, die mir wohl sagen sollte, dass mich das nichts anginge.
S.K.: “Wie wichtig ist Ihnen Geld?”
RdC: “Es ermöglicht mir zu leben, wie ich leben will.”
S.K.: “Sind Sie glücklich?”
RdC: “Sehen Sie sich um.” Er machte eine weit ausholende Handbewegung.
S.K.: “Geld und Besitz macht Sie also glücklich?”
RdC: “Ich sagte bereits: es ermöglicht mir zu leben, wie ich es will.”
S.K.: “Wovor fürchten Sie sich?”
Er zuckte mit den Schultern und schwieg. Und ich lernte: wenn Ricardo di Cataldi eine Frage nicht beantworten will, dann tut er es nicht.
S.K.: “Was macht Sie wütend?”
RdC: “Unprofessionelles Verhalten und Dummheit.”
S.K.: “Worauf legen Sie Wert? Was ist Ihnen wichtig?”
RdC: “Ich lege großen Wert auf Fairness. Darüber hinaus sollte jeder immer das Beste geben. Nur so bringt man eine Sache voran und hat letztendlich Erfolg.”
Ich beschloss, zu persönlicheren Fragen überzugehen.
S.K.: “Signor di Cataldi, Ihr bloßer Anblick lässt viele Frauenherzen höher schlagen.” Ich hoffte, dass er meines nicht schlagen hörte! “Warum sind Sie noch immer Junggeselle?”
RdC: “Warum nicht?” Seine Lippen kräuselten sich zu einem zynischen Lächeln. “Würde ich mit einer Heirat nicht die gesamte Damenwelt bitter enttäuschen?”
Was hätte ich auf eine solche Frage antworten sollen? Stattdessen stellte ich ihm eine weitere Frage.
S.K.: “Glauben Sie an Liebe auf den ersten Blick?”
RdC: “Eher nicht…” murmelte er und nippte an seinem Wasserglas.
S.K.: “Was ist Ihnen beim Thema Freundschaft am wichtigsten?”
RdC:  “Ehrlichkeit und Offenheit. Unter Freunden sollte man sich geradeheraus die Meinung sagen können, ohne dass die Freundschaft daran zerbricht.”
S.K.: “Können Männer und Frauen Freunde sein?”
RdC: “Nein!”
S.K.: “Ihre Antwort klingt sehr entschieden. Warum denken Sie das? Warum können Männer und Frauen keine Freunde sein?”
RdC: “Weil sie viel zu verschieden sind. Ihre Interessen, ihre Ziele, ihr Humor.”
S.K.: “Möchten Sie mir das noch ein wenig genauer erläutern?”
RdC: “Nein, Signorina, das möchte ich nicht.”
S.K.: “Weil ich eine Journalistin bin?”
RdC: “Weil dieses Thema viel zu persönlich ist, um öffentlich und in einer Zeitschrift erörtert zu werden.”
S.K.: “Es ist ja bekannt, dass Ihr Verhältnis zur Presse nicht das beste ist…”
RdC: “Sie können sich nicht beklagen, nicht wahr? Sie sitzen in meinem Garten und führen ein Interview mit mir.”
S.K.: “Aber Sie haben meinen Fotografen abgelehnt.”
RdC: “Mein Büro stellt Ihnen eine Auswahl an Fotos zur Verfügung.”
S.K.: “Signor di Cataldi, eine letzte Frage: wie sieht für Sie ein entspannter Feierabend aus?”
Er atmete tief ein und lächelte.
RdC: “Ein Milchkaffee im Garten, ein Workout beim Sport, ein Glas Wein und ein gutes Buch, ein Essen mit Freunden, Tanzen – es gibt viele Arten zu entspannen.”
S.K.: “Herzlichen Dank für dieses Gespräch, Signor di Cataldi.”

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