Fantasygeschichten entführen uns in faszinierende, wundersame Welten voller Abenteuer und Magie. Bei jedem Autor sind diese Welten anders. Sie sind einzigartig und sollen es natürlich auch sein, um die Leser zu fesseln und zum Staunen zu bringen.
Weltenbau macht Spaß. Da kann ich mich als Autorin so richtig austoben. Ich kann zaubern, physikalische Gesetze ignorieren und die Schwerkraft aushebeln. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Wirklich? Keine Grenzen?
Ja und nein. Auch wenn ich meiner Fantasie beim Weltenbau freien Lauf lasse, so muss ich dennoch einige Fragen stellen und beantworten: Wie sehr soll die Welt unserer Realität ähneln? Je fantastischer desto besser? Oder lieber vertraut und nachvollziehbar? Die Geschmäcker sind in dieser Hinsicht genauso verschieden wie bei allen anderen Dingen im Leben. Doch auf den Geschmack alleine kommt es nicht an. Es muss auch eine gewisse Logik innerhalb der Welt vorhanden sein, Naturgesetze müssen gelten, selbst wenn oder gerade weil sie sich von unseren realen Gegebenheiten unterscheiden. Das betrifft die Geografie genauso wie das Klima und die Jahreszeiten, die politische und gesellschaftliche Hierarchie genauso wie die Zeitrechnung und ganz besonders natürlich die Magie.
In meinen „Chroniken von Bellandis“ habe ich mich für eine Mischung aus vertrauten und fremden Dingen entschieden. In diesem Artikel widme ich mich den Themen Jahreszeiten und Zeitrechnung. Die Gesellschaftsordnung, die Geografie und die Magie sind selbst so umfangreiche Themen, dass sie einen separaten Artikel wert sind.

Die Jahreszeiten in „Bellandis“
Jahreszeiten prägen schon seit Urzeiten das Leben der Menschen. Sie teilen das Jahr in Abschnitte ein, von denen jeder für eine bestimmte Arbeit steht. Als Kind, das in ländlicher Umgebung aufgewachsen ist, habe ich diese Abschnitte hautnah miterlebt. Die Aussaat im Frühling, die Pflege der zarten Salat- oder Gemüsepflänzchen, die Ernte vom Sommer bis in den Herbst hinein, das Verarbeiten der Früchte im Herbst und im Winter das Beschneiden der Bäume und Sträucher. Besonders geliebt habe ich das Verbrennen der Äste (das durfte man damals noch), denn da konnte ich mich am Feuer wärmen.
Die ersten Bände der „Chroniken von Bellandis“ spielen in Bartak und Walukan. Das Klima dort habe ich an unser mitteleuropäisches Klima angepasst. Es gibt in diesen Ländern die vier Jahreszeiten, die uns in Europa vertraut sind:
🌷 im Frühling die Schneeschmelze, die die Flüsse anschwellen lässt, das erste Grün an den Bäumen und die ersten Blüten.
🌼 Hitze im Sommer; auf den Feldern gibt es jede Menge Arbeit, Gemüse und Obst reift heran, das Getreide wird geschnitten, gedroschen und zu Mehl gemahlen.
🍁 im Herbst färben sich die Blätter der Bäume und Sträucher in wunderschönen Rot-, Gelb- und Orangetönen. Die Bauern bringen die Ernte ein und füllen die Speicher mit Vorräten für den Winter.
❄️ der Winter schließlich bringt Kälte und Schnee. Die Menschen rücken enger zusammen, versammeln sich in den warmen Stuben um das Feuer. Es ist die härteste Zeit des Jahres und viele leiden Hunger.
Diese klimatischen Verhältnisse herrschen nicht nur in Bartak und Walukan, die beide auf einer großen Insel liegen, sondern auch in Bellandis, dem Land der Schulen, in Karamon und Aradien. Die zuletzt genannten Länder liegen auf dem „Kontinent“. Ich habe diese Landmasse so genannt, weil sie um ein Vielfaches größer ist als die „Insel“ von Bartak und Walukan. Im Norden des Kontinents sind die Winter länger und schneereicher, während es im Süden sowohl trockene, wüstenartige Gebiete gibt, als auch feuchte, sumpfige Landschaften.
Bartak, Walukan und Bellandis kennen meine Leser bereits aus den ersten Bänden der Fantasyserie. Kurz erwähnt habe ich Karamon und Aradien. Die anderen Länder werden erst in späteren Bänden auftauchen… und möglicherweise in einem Blogartikel über die Geografie in meiner Welt.
Warum diese Ähnlichkeit zu unserer Welt?
Als Reiseverkehrskauffrau hatte ich viele Jahre lang mit Reisen in aller Herren Länder zu tun. Natürlich bin ich selbst auch viel gereist. Und auf diesen Reisen habe ich die kulturell, klimatisch und geografisch so unterschiedlichen Regionen kennen- und lieben gelernt. Diesen natürlichen Reichtum, die fragile Schönheit und die kulturellen Eigenheiten wollte ich den Lesern auch in meiner erfundenen Welt bieten.
Darüber hinaus hilft eine vertraute Weltstruktur dabei, sich in der Welt schneller zurechtzufinden. Wenn die Leser wissen, wie sich Frühling, Sommer, Herbst und Winter anfühlen, können sie sich ganz auf die Handlung und die Figuren konzentrieren, ohne viel Zeit damit zu verbringen, die Grundlagen der Welt zu begreifen.
Die Zeitrechnung in „Bellandis“
Meine Fantasy-Welt ist mittelalterlich geprägt, was die Gesellschaft und die technischen Errungenschaften betrifft. Obwohl es im echten Mittelalter natürlich schon Uhren gab, habe ich mich entschieden, diese in Bellandis nicht zu nutzen. Ebenso gibt es keine Wochentage, wie wir sie heute kennen, da diese oft mit einer christlich-europäischen Zeitrechnung verbunden sind. In Bellandis gibt es keine Religionen – weder christliche noch andere – und somit auch keine Kirchen, Klöster oder sonstige Institutionen dieser Art. Ein Sonntag, an dem nicht gearbeitet wird, wäre da wirklich fehl am Platz.
Dennoch habe ich die Zeitrechnung nicht völlig neu erfunden. Die Jahre bestehen aus zwölf Monaten, die bei mir „Monde“ heißen. Jeder Mond hat dreißig Tage. Bei jedem Monatswechsel ist Neumond, am fünfzehnten Tag scheint jeweils der Vollmond am nächtlichen Himmel. Das ist ziemlich einfach zu merken, nicht wahr?
Die Monate in „Bellandis“
Bei den Namen der zwölf Monde habe ich mich daran orientiert, was in dieser Zeit in der Natur passiert. Und hier sind sie:
Eismond – die kälteste Zeit des Jahres; an den Fensterscheiben bilden sich Eisblumen
Hungermond – die Vorräte gehen zur Neige; wenn die Ernte im Vorjahr schlecht ausfiel, müssen die Menschen hungern
Windmond – warme Winde aus Südosten lassen die letzten Schneereste schmelzen; es ist Zeit für die Aussaat
Regenmond – Getreide und Rüben strecken die ersten zarten Blätter den Regentropfen entgegen
Wonnemond – die Sonne wärmt das Land und lässt die Knospen aufbrechen
Rosenmond – überall verströmen die Rosen ihren betörenden Duft
Donnermond – das Land ächzt unter der Hitze; Gewitter bringen Abkühlung, aber auch Lebensgefahr
Sichelmond – es ist Zeit, das Getreide zu schneiden
Herbstmond – Äpfel und Birnen sind reif für die Ernte
Gelbmond – die Bäume kleiden sich in leuchtende Farben
Nebelmond – Stille kehrt ein, die Feldarbeit ruht
Wintermond – Schnee bedeckt das Land, die Menschen verbringen die meisten Zeit drinnen
Auch wenn diese Namen nicht unseren Monatsnamen entsprechen, so kann man sie als Leser dennoch problemlos in die richtige Jahreszeit einordnen. Man kann sich auf die Geschichte konzentrieren, ohne ständig überlegen zu müssen, in welcher Jahreszeit sich die Figuren gerade befinden.
Vertrautheit oder Fremdartigkeit?
Letztlich hängt die Entscheidung, wie vertraut oder fremdartig eine Fantasywelt sein sollte, von der Geschichte und den Vorlieben des jeweiligen Autors ab. In den „Chroniken von Bellandis“ habe ich bewusst einen Mittelweg gewählt, Ich habe bekannte Strukturen wie die Jahreszeiten und die Zeitrechnung kombiniert mit allerlei fantastischen Kreaturen und natürlich Magie.
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