Nacht über der Wüste

„Wohin bringen Sie mich?“ fragte Cathérine leise.
„Dort hinauf“, antwortete Karim Abadi und deutete mit dem Kopf den Abhang hinauf.
Als sie den Kamm der Düne erreichten, ließ sich Karim Abadi auf ein Knie herab und legte Cathérine sanft in den Sand. Sie hatte nicht die Kraft, alleine aufrecht zu sitzen und so setzte er sich hinter sie und positionierte Cathérine so, dass sie sich gegen seine Schulter lehnen konnte. Er legte einen Arm um sie, um sie zusätzlich warm zu halten.
Abadi schwieg lange und ließ ihr Zeit, die nächtliche Umgebung in sich aufzunehmen. Er dachte darüber nach, wie man einen Menschen, der bereit war zu sterben, von diesem Vorhaben abbringen könnte. Wie konnte man einem Menschen Hoffnung geben, der keine Hoffnung mehr hatte? Sollte er ihr von Rodriguez’ Plänen erzählen? Sollte er ihr sagen, wohin die Reise ging? Oder sollte er ihr von der Wüste erzählen? Von der Kunst, in dieser lebensfeindlichen Umgebung zu überleben? Oder von dem Gefühl der Freiheit, das er jedes Mal empfand, wenn er hier draußen sein konnte. Ja, vielleicht wäre das ein guter Anfang, wenn er einfach über die Wüste erzählen würde.
Karim Abadi sah hinunter auf die Frau in seinen Armen. Ihre Augen waren geschlossen und sie atmete ruhig und gleichmäßig. Ihr Körper war entspannt und plötzlich lächelte er. Es war nicht mehr notwendig, dass er ihr in dieser Nacht etwas erzählte, denn Cathérine war eingeschlafen.
Auszug aus “Die Spur des Schwarzen Drachen”

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