Leben hinter Mauern und keine Aussicht auf Entkommen

Das Monatsmotto auf meinem Instagram Account lautet im Mai “Mauern”.

Ich habe die geposteten Bilder hauptsächlich mit meinem Liebesroman “Mauern um Dein Herz” verbunden.  Ein Grund dafür ist natürlich das Sonderangebot von € 2,99, das den gesamten Monat Mai gültig ist – also nur noch wenige Tage! Hast Du das eBook schon heruntergeladen? Wenn nicht, ist hier nochmal der Link zur entsprechenden Seite auf Amazon.

Doch Mauern sind auch in meinen anderen Büchern ein Thema. In der Surya Mahal – Reihe wird meiner Protagonistin Cathérine ihre Freiheit und Selbbestimmung genommen, daher habe ich für den heutigen Blogpost eine Mini-Leseprobe aus “Die Spur des Schwarzen Drachen” herausgesucht, die ihre Ankunft in Marrakesch beschreibt. Cathérine wird ins Haus von Jamal al-Mansouri gebracht, dem Vater ihres Bewachers Rashid, und sie hat keine Ahnung, was sie dort erwartet.

Los geht’s:
Die Frau führte Cathérine und Maria die Treppe nach oben. Erstaunt nahm
Cathérine zur Kenntnis, dass die ältere Frau englisch sprach, ein wenig
stockend und mit einem recht starken Akzent, aber dennoch gut verständlich. Im
ersten Stock gingen sie auf ein großes schmiedeeisernes Tor zu, das von einem
Mann bewacht wurde. Der Mann war groß und breitschultrig. Er hatte einen sehr
kräftig gebauten, muskulösen Körper, sein Gesicht war glatt rasiert und auch
auf seinem Kopf war kein einziges Haar zu sehen. Seine dunkelbraunen Augen
funkelten Cathérine an, aber das Beunruhigendste an ihm war der lange Dolch mit
dem verzierten Elfenbeingriff an seinem Gürtel. Er öffnete die Gittertür und
trat zur Seite, damit die Frauen eintreten konnten. Hinter ihnen schloss er die
Tür sofort wieder.
„Das ist unser Bereich“, erklärte die Frau. „Die Wohnungen der Frauen
liegen hier in diesem Teil des Hauses.“
Ein getrennter Bereich für die Frauen, bewacht von einem bewaffneten
Mann! Also doch ein Harem, dachte Cathérine bitter. Sie wollte sich lieber
nicht vorstellen, was sie hier zu erwarten hatte, aber sie machte sich keine
Illusionen über ihr Leben in diesen Mauern. Mit gesenktem Blick, enttäuscht und
ohne sich weiter für ihre Umgebung zu interessieren, folgte Cathérine der Frau.
Es war ihr gleichgültig, wohin sie ging und da Maria ihr folgte, bemerkte
Cathérine auch nicht, dass die Inderin ganz anderer Stimmung war.
Maria sah sich mit leuchtenden Augen und einem Lächeln auf den Lippen
um. Sie nahm jedes Detail ihres Weges in sich auf, als könne sie sich nicht
satt sehen. Vorfreude lag in ihrem Lächeln und ihr Gang war federnd und leicht.
Dann waren sie offensichtlich an ihrem Ziel angekommen, denn die ältere
Frau öffnete eine Tür und ließ Cathérine lächelnd den Vortritt. Sie führte die
beiden Frauen durch einen fast quadratischen Flur zu einer weiteren Tür und
Cathérine stand plötzlich in einem geräumigen Wohnzimmer. Dunkle Möbel befanden
sich darin, doch die Wände und Kissen erstrahlten in Gelb- und Rottönen, durch
die das Zimmer hell und freundlich erschien. Vier Fenster ließen das Tageslicht
herein, doch hinter den Scheiben versperrte ein kunstvolles Geflecht aus Ranken
und Blättern den freien Blick auf das, was draußen lag. Es sah sehr schön aus,
doch die rankenden Zweige waren aus Stein und somit genauso wirkungsvoll wie
ein Gitter aus Eisenstäben.
„Das ist Ihr Wohnzimmer, Mademoiselle Bergmann“, erklärte die Frau. „Hier
drüben ist Ihr Schlafzimmer, daneben befindet sich Ihr Bad. Die Zimmer von Mademoiselle
Da Silva sind gleich nebenan.“
„Ich bin gleich wieder bei Ihnen“, sagte Maria zu Cathérine und verließ
mit der älteren Frau das Zimmer.
Cathérine ging weiter zu ihrem Schlafzimmer. Das Zimmer war genauso
orientalisch eingerichtet wie das Wohnzimmer und wirkte sehr weiblich. Sie
legte den Schleier ab und ließ ihn einfach fallen. Dann zog sie den schwarzen
Mantel aus und warf ihn ebenfalls auf den Boden. Das Schlafzimmer hatte nur ein
Fenster, aber es war größer als die im Wohnzimmer und in der Nische vor dem
Fenster befand sich eine Sitzbank. Cathérine ging zum Fenster und sah hinaus.
Unter ihr lag ein Garten mit blühenden Büschen, schattigen Wegen und einem
Springbrunnen mit Bänken darum herum. Eine hohe Mauer umgab den Garten und
Cathérine ließ sich müde auf der Bank nieder. Für sie gab es nur noch
verschlossene Räume, vergitterte Fenster und unüberwindlich hohe Mauern. Sie
lehnte ihren Kopf zurück und schloss die Augen. Sie saß einfach still und
unbeweglich in der Nische am Fenster, während ein paar Tränen unter ihren
geschlossenen Lidern hervorquollen und ungehindert über ihre Wangen liefen.
Maria fand sie noch immer dort sitzend, als sie nach einigen Minuten
zurückkehrte.
„Ich werde Ihnen ein Bad einlassen“, sagte Maria und lächelte.
Cathérine hatte gegen ein Bad wirklich nichts einzuwenden. Sie stieg in
die Wanne und genoss das warme, duftende Wasser, das ihren Körper umhüllte.
Maria ließ sie für einige Zeit alleine und sie wusch sich in aller Ruhe den
Staub der Wüste vom Körper. Als sie das Bad verließ, hätte sie sich am liebsten
gleich ins Bett gelegt, so erschöpft fühlte sie sich. Doch Maria war mit
frischer Kleidung zurückgekehrt und half Cathérine beim Abtrocknen und
Ankleiden. Dann brachte sie sie ins Wohnzimmer. Irgendjemand hatte in der Zwischenzeit
etwas zu Essen gebracht. Ein Tablett stand auf dem Tisch und der Duft des
Essens stieg Cathérine verführerisch in die Nase. Sie hatte Hunger! Seit dem
Morgen hatte sie nichts mehr gegessen und jetzt knurrte ihr Magen.
„Lassen Sie das Tablett einfach stehen, wenn Sie fertig sind“, sagte
Maria. „Ich werde es später holen.“
Dann verließ Maria das Zimmer und Cathérine setzte sich hin und aß. Das
Essen schmeckte wunderbar und Cathérine aß alles auf, bis zum letzten Rest.
Auch nachdem sie fertig gegessen hatte, war Maria nicht zurückgekehrt und
Cathérine ging auch nicht auf die Suche nach ihr. Sie war im Augenblick
zufrieden damit, dass sie alleine war. Solange sie konnte, wollte sie es
genießen, so ungestört wie in diesem Moment zu sein. Wenn sie versucht hätte,
ihr Zimmer zu verlassen, wäre sie wahrscheinlich sowieso nicht weit gekommen in
diesem Harem.
Gesättigt und mit einem Gefühl der Zufriedenheit ging sie zurück in ihr
Schlafzimmer, zog sich aus und legte sich ins Bett. Es war herrlich, endlich
wieder in einem richtigen Bett schlafen zu können, dachte sie. Doch auch wenn
an diesem Abend ein wohliges Gefühl von Wärme und Zufriedenheit ihre Sinne
einhüllte, sagte ein Rest von Vernunft in ihr, dass sie sich trotzdem noch immer
in einem Gefängnis befand.

Kannst Du nachfühlen, wie es in Cathérine aussieht? Hättest Du in dieser Situation noch Hoffnung? Würdest Du an ihrer Stelle resignieren?

Möchtest Du wissen, wie es für Cathérine weitergeht? Dann ist “Die Spur des Schwarzen Drachen” nur einen Klick weit entfernt.

P.S.: “Die Spur des Schwarzen Drachen” ist zwar Band 3 der Surya Mahal – Reihe, doch kannst Du den Roman auch einzeln lesen. Möchtest Du lieber von vorne anfangen, dann beginne mit “Geld, Macht, Tod”.