Blockade aufgehoben

Seit etwa drei Wochen ist der Roman fertig. Eigentlich hätte ich dann zur Veröffentlichung schreiten können, wäre da nicht das Problem mit dem Titel gewesen. Ich überlegte und überlegte. Tag und Nacht. Ich kam nicht mehr zur Ruhe, konnte nicht mehr denken, nicht mehr schreiben, nicht mehr essen oder schlafen. Immer stand in riesengroßen Lettern das PROBLEM vor mir wie eine Wand. Doch dann wies ich diesen schrecklichen Gedanken von mir. Für jedes Problem gibt es eine Lösung. Und wenn man systematisch vorgeht, klappt das auch. Systematisch! Punkt für Punkt abarbeiten.
Punkt 1: Brainstorming! Ich nahm ein leeres Blatt und fragte mich: worum geht es in der Geschichte? Ich schrieb Begriffe auf, Namen, Kombinationen aus verschiedenen Wörtern, Sprichwörter – ich schrieb die ganze Seite voll, aber kein einziges Wort war darunter, das zu einem Titel taugte.
Punkt 2: Ruhen lassen! Wenn mein Hirn zu voll ist und immer gleiche Gedanken hindurch rasen, muss ich ihm eine Pause gönnen. Ich legte die Notizen beiseite und nahm mir eine andere Geschichte vor, die auf ihre Fertigstellung wartet. Ich denke, Du ahnst es schon… ich konnte mich nicht in die andere Story hineindenken, weil ich immer wieder zu meinem fehlenden Titel zurückkehrte.
Punkt 3: Ratgeber und Blogs lesen. Ich durchforstete das Internet nach Artikeln wie „Der perfekte Buchtitel“ oder „Der Weg zum richtigen Titel“ oder oder oder. Ich las und las, bekam wertvolle Tipps, aber wie setzt man sie um? Was macht einen Titel gut? Woher weiß ich, ob der Titel interessant rüberkommt? Ich hatte jede Menge gute Tipps und Beispiele, aber noch immer keinen Titel für mein Buch.
Punkt 4: Schaaatz? Du könntest mir eigentlich mal helfen… Ich war so weit, dass ich Hilfe in Anspruch nehmen wollte und spannte meinen Mann ein. Auf unseren Spaziergängen durch die Weinberge, berichtete ich ihm von meinen bisher fruchtlosen Versuchen, legte ihm die unterschiedlichen Charakterzüge meiner Protagonisten dar und erklärte ihm, was die Quintessenz der Geschichte ist – oder sein soll. Wir trugen ein paar Ideen zusammen. So weit, so gut.
Punkt 5: ein Buchtitelgenerator im Internet. „Sonne der Botschaft“ – „Die Klassen ohne Hosen“ – „Bedürftige Schlösser“. Der Zufall kreierte einige witzige Titel, aber meiner war nicht dabei. Zumindest hatte ich etwas zu lachen gehabt.
Punkt 6: Klappentext schreiben. Ich feilte an den ersten Versuchen herum, würfelte die Sätze durcheinander und schrieb einen ganz neuen Klappentext. Und ganz allmählich kristallisierte sich der Gedanke heraus, dass es das Beste wäre, im Titel die Unterschiede zwischen den beiden jungen Männern, die die Hauptpersonen im Roman sind, aufzuzeigen. So nach dem Vorbild „The Good, The Bad and The Ugly“. Aber erstens gibt es da schon einen Film und zweitens handelt es sich um drei Männer, während ich in meiner Geschichte nur zwei Protagonisten habe.
Punkt 7: Charaktereigenschaften aufschreiben. Ich schrieb also in zwei Spalten die Eigenschaften auf, die für meine beiden Jungs typisch sind und siehe da… ein Lichtstrahl durchstieß das Dunkel meiner Grübeleien und erhellte genau zwei Wörter.
Welche beiden Wörter das waren? Das verrate ich heute noch nicht, nur so viel: die Blockade war weg!

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